Wie ich das Kriegsende in der Region erlebte
von Johannes Hoffrogge
geb. am 12.11.1922 auf Langeoog
Vor dem Krieg 1938/39 habe ich die Oberschule für Jungen in Rathenow besucht. Während dieser Zeit
 |
|
Johannes Hoffrogge 2. Offizier im Jahre 1944
|
habe ich meine Frau kennen gelernt. Sie hieß
Rosel Hakenholz, wohnte zunächst in der Milower Landstraße bei Ibe's, später bezogen ihre Eltern Selma und Adolf Hakenholz mit ihren weiteren Kindern Ilse, Helmut und dem Zwillingsbruder von Rosel, Wolfgang, ihr neuerbautes Haus in der Blücherstraße (Nordsiedlung). Wir besuchten gemeinsam die Tanzstunde bei Herrn Litterer. Meine Rosel gehörte zu den "Jungmädeln", - ich war Mitglied der HJ und lernte in Stölln die Anfänge des Segelfliegens. Beide gehörten wir dem Rathenower Ruderklub an. Ich wohnte bei meiner Schwester in der Wolzenstraße 7a. Das Haus gehörte den Eheleuten Kliems. Meine Schwester Alida Koschnieder bewohnte mit ihrem Mann Horst Koschnieder die obere Wohnung, - sie hatten zu der Zeit 2 Kinder. Die Eheleute Kliems wohnten mit ihren beiden Töchtern Gretel und Annemarie im Erdgeschoß. Gretel Kliems heiratete später einen Günther Käßmodel. Nach dem Krieg bewohnte Familie Käßmodel ihr Haus in der Freiligrathstraße 42 (Nordsiedlung). Meine Rosel Hakenholz habe ich 1948 geheiratet, wir haben zwei Kinder, - und mit Familie Käßmodel waren wir befreundet. - 1939 begann ich meinen Beruf in der Seeschifffahrt, erwarb 1942/43 das erste Patent als Seesteuermann auf großer Fahrt und fuhr als Schiffsoffizier auf verschiedenen Schiffen der KMD (Kriegsmarine-Dienststelle). Ich verlor an der norwegischen Küste ein Schiff durch britische Torpedos, ein weiteres in Tromsö durch Bomben und ein drittes in der Ostsee durch Minen.
Nach einem Lehrgang zum Res.Offizier der Kriegsmarine im Frühjahr 1945 in Stralsund kam ich unter dramatischen Umständen anlässlich eines Sonderurlaubs im April nach Rathenow. Ich kam erneut zu meiner Schwester in die Wolzenstraße 7a,- mein Schwager war im Kriegseinsatz. Das Ende des Krieges rückte sichtbar näher. Ich versuchte, meiner Schwester klar zu machen, dass es Zeit sei, die Stadt zu verlassen, um in unsere gemeinsame Heimat, auf die Nordsee Insel Langeoog zu gehen, bevor wir hier den Russen in die Hände fielen. Meine Schwester war völlig uneinsichtig und wollte bleiben.
Meine kleine Freundin aus der Schulzeit - Rosel Hakenholz - war inzwischen eingezogen worden und Führerin einer Scheinwerferbatterie in der Stellung "Dora" am Baldeney-See bei Essen. Auf meinem Weg nach Rathenow hatte ich noch versucht, sie dort herauszuholen, doch es gelang nicht, - sie wollte die ihrer anvertrauten Arbeitsmaiden nicht allein lassen. Der Ruhrkessel war zu der Zeit bereits von den alliierten Truppen fast geschlossen. - Ihre Eltern lebten nach wie vor in der Blücherstraße, und ich habe zu ihnen einen sehr herzlichen Kontakt aufnehmen können. Der Zwillingsbruder meiner Rosel war im Februar 1944 bei einem Testflug mit einer Maschine der Luftwaffe als 19 Jähriger Fliegerleutnant tödlich abgestürzt. Nach reiflicher Überlegung entschloss ich mich, in Rathenow zu bleiben.
Ich wollte meine Schwester mit ihren Kindern (8, 6 & 3 Jahre) nicht allein lassen, und ich fühlte auch eine Verantwortung für die Eltern Hakenholz.
Zunächst leben wir noch ruhig und ungestört in Rathenow. Die russischen Truppen kommen näher, Berlin wird eingenommen, das Ende des Krieges ist greifbar nahe. - Ich fühle mich nicht wohl, untätig in Rathenow zu sitzen und fahre am 26. April 19? in das Marine-Arsenal im Wald Richtung Semlin. Der Kommandant, Kpt. Ltn. Bartels begrüßt mich freundlich. Ich schildere ihm meine Lage, und er ermuntert mich, am nächsten Morgen wieder zu kommen, - er würde für mich schon eine Beschäftigung finden. - Einen nächsten Morgen gab es für Bartels nicht mehr. Die Russen drangen u. a. über Semlin in die Stadt ein, und Kpt. Ltn. Bartels war einer der ersten deutschen Soldaten, der im Kampf um Rathenow sein Leben verlor.
Vom Küchenfenster in der Wolzenstraße sehen wir russische Scharfschützen am Ruland-Werk und am Bahndamm in Stellung gehen. Die Lage wird zusehends bedrohlicher - Kanonendonner und Gewehrfeuer erfüllt die Stadt - wir können nicht mehr vor die Tür gehen. Herr Kliems will die Stadt verlassen und bietet an, mitzukommen. Über seinen Bruder in Neue Schleuse hätte er die Möglichkeit, in Grütz unterzukommen. Er spannt seine beiden Pferde vor den Wagen. Wir verstauen außer unseren Betten das Notwendigste, Frau Kliems, meine Schwester mit ihren Kindern kommen ebenfalls auf den Wagen. Gretel, Annemarie und Frau Schöps, die oben im Haus wohnt, und ich nehmen unsere Fahrräder und am 28. April fahren wir über den Grünauer Weg , die Brandenburger Straße, Berliner Straße Richtung Neue Schleuse. Es herrscht ein unbegreifliches Chaos. In der Berliner Straße sind die Russen, es wird gekämpft. Ich weiß heute nicht mehr, wie wir es geschafft haben, in die Altstadt zu kommen und die Straße nach Göttlin zu erreichen. Nur etwas sehr Dramatisches hat sich in meiner Erinnerung festgesetzt: In Höhe der Steinstraße sehen wir, wie der Turm der St. Marien-Andreas-Kirche zusammenstürzt.
Wir erreichen Grütz und unser Quartier in der Grützer Dorfstraße Nr. 14 (so jedenfalls heißt die Straße
|

|
|
Das "Allierten-Geld" vom Offizier, "Zehn Mark"
|
heute). Wir kommen in das vorletzte Haus und werden sehr freundlich aufgenommen. Außer uns sind noch weitere Personen im Haus, an die ich mich jedoch kaum erinnern kann. Hinter dem letzten Haus hier an der Havel auf einer Anhöhe, die man noch heute erkennen kann, befindet sich eine deutsche Flak-Batterie im Einsatz. - In Grütz bleibt es zunächst ruhig - wir hören jedoch Geschützdonner aus Rathenow und sehen abends Flammenschein. Doch auch dieser kleine Ort büßt rasch seine Ruhe ein: Wir sehen russische Truppenbewegungen auf der Chaussee auf der anderen Seite der Havel. Später setzen sich dort auch Scharfschützen fest und nehmen alles unter Beschuss, was sich in Grütz bewegt. - Und dann geschieht es: Ich werde im Ort von Feldjägern der Wehrmacht angehalten und zum Volkssturm eingezogen. Mit einer Gruppe älterer Männer und einigen Jugendlichen müssen wir uns am nächsten Morgen melden und werden per Lastwagen über die Dörfer zu einem Sammelplatz gefahren. Dort bekommen wir Gewehre und Kochgeschirr und sollen aus dem Raum Steckelsdorf auf einen Einsatzbefehl zur Verteidigung von Rathenow warten.
Ich glaube, wir alle suchten nach Möglichkeiten, diesem Inferno zu entkommen. - Ich weiß nicht, was aus den anderen Männern geworden ist, - sie waren ja auch alle älter und vielleicht nicht so beweglich. Ich habe mich bei einbrechender Dunkelheit davongeschlichen, mein Gewehr hinter einen Baum gestellt und mit aller Vorsicht den Weg nach Grütz eingeschlagen. Ich habe heute keine Erinnerungen mehr an Einzelheiten, - doch ich bin unversehrt bei meiner "Familie" angekommen. Ich denke, es muss in den ersten Maitagen gewesen sein. Im Wohnzimmer des Hauses gab es einen Kriechkeller, dessen Einstieg mit einem Teppich abgedeckt war. In diesem Keller habe ich mich mehrere Tage verborgen gehalten. Nach dem Krieg - zur Zeit der DDR - habe ich meiner Frau und meinen Kindern Grütz, dieses Haus und den Keller gezeigt.
Doch zurück in die ersten Maitage 45: der Leutnant der Flak-Batterie kommt zu unseren Leuten, um sich zu verabschieden. Ich höre das alles aus meinem Keller-Versteck. Die Stellung wird geräumt, die letzten deutschen Verbände in diesem Raum ziehen sich zurück. Ich kann mein Kellerversteck verlassen. Wir erwarten jetzt stündlich die russischen Truppen.
Und dann kommen sie: ein großer Trupp Soldaten kommt auf den Hof. Ich gehe ihnen entgegen und
 |
|
Anschrift vom Oberst "Alexander Wasenev"
|

|
werde von einem russischen Offizier auf deutsch angesprochen. Alle Bewohner des Hauses sind im Hof versammelt. Ich stelle mich vor meine Schwester und die Kinder. Der Offizier glaubt, es ist meine Familie und gibt mir einige Scheine "Alliierten-Geld", dafür soll ich für meine Kinder etwas kaufen! Einen Schein im Wert von zehn Mark habe ich aufgehoben. - Wir alle hatten große Angst vor dieser Begegnung, die ja auch unausweichlich kommen musste. Jetzt legt sich diese Anspannung ein wenig. Der Offizier - er war Oberst - verhält sich korrekt. Von mir wolle er wissen, wie ich als junger Mann in diese Situation geraten sei, ich war 23 Jahre alt. Zweifellos musste ich Soldat sein und meine Uniform gegen Zivil eingetauscht haben, - der Argwohn war spürbar. An Hand meiner Papiere kann ich ihm beweisen, dass ich Offizier der Handelsmarine bin und zum so genannten "Gefolge der Kriegsmarine" zähle. Er erzählt mir, dass er aus Leningrad stammt und dass es in der Sowjetunion auch Offiziere der Handelsmarine gibt. - Er gehört zum Stab des sowjetischen Divisions-Generals, der in Grütz sein Hauptquartier einrichtet. - Der Krieg ist noch nicht zu Ende, - die russischen Soldaten verfolgen deutsche versprengte Truppen in der Umgebung von Grütz. Sie zerreißen Bettwäsche unserer Gastgeber und putzen damit ihre Gewehre. - Unser Oberster heißt Alexander - quartiert sich in "unserm Haus" ein, ist in den kommenden Tagen fast immer in unserer Nähe. Er spricht gut deutsch und unterhält sich oft recht lange mit mir. Am nächsten Tag steht ein Jeep mit Fahrer auf dem Hof, und Alexander fordert meine Schwester und mich zum Einsteigen auf. Er fährt mit uns in die Stadt, lässt sich zeigen, wo unsere Wohnung ist und - setzt Polen vor die Tür, die es sich dort bereits bequem gemacht hatten (gegenüber der Wolzenstraße am Grünauer Weg befand sich ein Polen-Lager). Am nächsten Tag fährt Alexander erneut mit mir in die Wolzenstraße, um sich zu überzeugen, dass die Polen nicht in die Wohnung zurückgekehrt sind. - Zwischen diesem russischen
 |
|
Ausweisdokument für Johannes Hoffrogge aus dem Jahre 1944
|

|
Alexander und mir entwickelt sich eine Art Freundschaft. Er kümmert sich um uns alle, die in diesem Haus an der Havel untergekommen sind, - und es bleibt festzuhalten, dass kein russischer Soldat den Frauen und Mädchen zu nahe getreten ist. Dann bringt er mich zu seinem General. Das Hauptquartier ist in einem lang gestreckten Gebäude (vielleicht ein Gasthaus?) eingerichtet. Ich erhalte den Auftrag, die zerschossenen Fenster im Haus auszuwechseln (so gut dies überhaupt möglich ist), Frauen zu besorgen, die aufräumen mussten, - und schließlich muss ich mit Hilfe von einigen russischen Soldaten einen Tanzboden draußen einrichten. Abends sitzen wir in der Küche und trinken Wodka, - oft mehr, als uns lieb ist. Wir müssen nicht hungern, - aus der russischen Küche fällt manchmal für uns etwas ab. - Die russischen Soldaten sind scharf auf "Uri" Uri und auch auf unsere Fahrräder. Die Uhren haben wir ihnen gegeben, an den Fahrrädern entferne ich die Ventile und erkläre ihnen, dass die Dinger nicht fahren.
Und dann kommt unser Alexander, um sich zu verabschieden, - die Truppen werden verlegt. Ich kann mich nicht erinnern, ob es kurz vor der Kapitulation oder kurz danach war. Er schreibt mir Namen und Adresse auf einen kleinen Zettel in meinem Taschenkalender und bittet mich, ihn nicht zu vergessen. Dieses kleine Notizbuch mit seiner Adresse geriet leider in unserem Haushalt völlig in Vergessenheit. Erst vor 2 Jahren hat es meine Frau gefunden. Ich habe an die Adresse in St. Petersburg geschrieben, in der Hoffnung, dass vielleicht noch Kinder oder Angehörige darauf reagieren würden, - doch ich habe nichts mehr gehört.
Der russische Stab zog ab, die russischen Soldaten wurden durch andere Truppenteile ersetzt, - und jetzt begann es für uns ungemütlich zu werden. Ich hatte in der Folgezeit einiges durchzustehen und dennoch großes Glück. Unsere Frauen waren auch nicht mehr so sicher, wie unter der Obhut unseres Alexanders. Über diese Erlebnisse möchte ich mich nicht ausbreiten.
Am 28. Mai fuhr Herr Kliems, der ebenfalls dem Volkssturm entronnen war mit Frauen und Kindern nach
 |
|
Ärztliche Bescheinigung von Prof. Kohler für J. Hoffrogge
|

|
Rathenow zurück. Wenn ich mich recht erinnere, durften wir erst jetzt
 |
|
Arbeits- und Ausweiskarte für J. Hoffrogge 1945
|

|
wieder in die Stadt zurück. Ich fuhr mit meinem noch fahrbereiten Rad und meiner Nicht Ute (6 Jahre) auf dem Gepäckträger los, und in dem Waldbereich vor Göttlin passierte es: ich verspürte einen heftigen Schlag im Rücken und verlor das Bewusstsein. Ich kam im Chausseegraben wieder zu mir, neben mir saß weinend Ute. Ich konnte mich nicht rühren, hatte sehr starke Schmerzen. Doch dann waren 2 Männer bei mir, verfrachteten mich auf einer Liege samt Ute und Fahrrad nach Rathenow ins Krankenhaus. Dort herrschte ein unbeschreibliches Gedränge. Ich stand mit meiner Liege neben vielen liegenden und sitzenden Verletzten und Kranken im Flur, bis man sich um mich kümmerte. Professor Kohler verpasste mir einen breiten so genannten Ziegelpflasterverband über den ganzen Rücken, - ich hatte einen sehr starken Bluterguss. Mit Stock und meiner kleinen Ute humpelte ich in die Wolzenstraße. Meine Schwester, in großer Sorge um uns, war inzwischen zu Fuß unterwegs, um
 |
|
Bescheinigung für die Hin- und Rückfahrt nach Bismarck
|

|
uns zu suchen. Ich bekam eine rote Ausweis- und Arbeitskarte, die künftig jeden Morgen abgestempelt werden musste, wenn ich Anspruch auf einige Grundnahrungsmittel haben wollte, um meine "Familie" zu ernähren. Entsprechend einer ärztlichen Bescheinigung von Prof. Kohler war ich für schwere körperliche Arbeiten nicht einzusetzen. Ich marschierte in den folgenden Wochen morgens mit einer Gruppe Frauen und Mädchen über den Grünauer Weg in den Wald Richtung Premnitz. Dort mussten meine Schützlinge in einer Baumschule arbeiten, - und ich musste aufpassen, dass ihnen russische Soldaten nicht zu nahe traten! Ich weiß allerdings nicht, was ich hätte machen sollen, wenn dort wirklich etwas passiert wäre! - In den letzten Maitagen machte ich mich auf den Weg in die Nordsiedlung, um die Eltern meiner Rosel aufzusuchen. Was mochte dort inzwischen geschehen sein? - Die Häuser in der Siedlung standen noch, die Eltern Hakenholz waren gesund und unverletzt. Sie mussten in ihrem Haus jedoch beide Wohnungen räumen und in den Keller ziehen, - die Wohnungen wurden von russischen Offizieren bezogen, die später auch noch ihre Ehefrauen zu sich holten.
Die folgenden Monate erlebte ich in der Wolzenstraße und oft auch in der Blücherstraße. Die Sorge galt der täglichen Verpflegung "meiner Familie". Kartoffeln "holte" ich mir nacht s vom Feld, mit Nährmitteln versorgten uns die Eltern Hakenholz, - sie hatten das Glück gehabt, aus ehemaligen Wehrmachtbeständen aus den benachbarten Kasernen Vorräte nach Hause zu schaffen. Einige Male bin
 |
|
Bescheinigung für die Ausreise nach Langeoog auf deutsch, russisch u. englisch
|

|
ich nach Bismarck in die Altmark gefahren - ein abenteuerliches Fahren,
 |
|
Bescheinigung für die Hin- und Rückfahrt nach Berlin
|

|
meist mit russischen Wagen und im Versteck über die Elbe bei Tangermünde! In Bismarck besaß die Schwester von Adolf Hakenholz mit ihrem Mann eine Gärtnerei. Dort konnte ich Gemüse und manchmal auch etwas Fleisch bekommen. In Rathenow machte ich die Bekanntschaft mit einem Weißrussen. Er besaß einen so genannten kleinen Panjewagen und ein Pferd. Wir fuhren manchmal die Chausseen entlang und ernteten Äpfel. Im Wald Richtung Premnitz entdeckten wir eines Tages Fässer mit Natron. In der Küche meiner Schwester klebten wir Tüten, füllten sie mit Natron und tauschten diese bei den Bauern gegen Lebensmittel. Natron kam als Backpulver-Ersatz gut an.
Ende August fuhr ich nach Berlin (mit Erlaubnis der Behörde) und erkundigte mich nach
 |
|
Die Genehmigung zur Evakuierung in die Britische Zone
|

|
Ausreisemöglichkeiten in den Westen. Ende Oktober 45 gelang es mir, meine "Familie" und mich in einem Flüchtlings-Ausreiselager in Berlin-Moabit unterzubringen. Dieses Lager war entweder ein ehemaliges Gefängnis oder eine Kaserne, ziemlich zerschossen und ohne Dach und geführt von einem tschechischen Lagerkommandanten. Dort haben wir 6 Wochen mehr schlecht als recht gelebt. Mit einem benachbarten Flüchtling aus Danzig, der mit seiner Familie im Dachbereich neben uns sein Lager aufgeschlagen hatte, stieg ich täglich über die Berliner Trümmer zum Bahnhof Zoo, um dort mit kleinen Schwarzmarktgeschäften unsern Lebensstandard aufzubessern und - vor allem - für den Lagerboss Lebensmitte zu horten, damit wir mit Bestechung möglichst rasch in den Westen kamen. Doch es hat dennoch fast 6 Wochen gedauert, bis wir offiziell und mit Güterwagen Berlin verlassen konnten. Nach 4 Tagen erreichten wir dann unser Elternhaus auf der Nordseeinsel Langeoog.
Fotos und Grafiken Archiv J. Hoffrogge
Redaktionell bearbeitet am 22.11.07 von Robby Schmalz
Kommentare sind zu dieser Seite nicht vorhanden! |
|
|
|
|

|