„Karl der Große" alias Karl Priefert hat gesprochen
Kurt Woite gab Impulse für den Bau der Südsiedlung
Der Rathenower Bürger Kurt Woite, bekannt als Afrika-Reisender, Wünschelrutengänger und Autor, gab Anfang der zwanziger Jahre entscheidende Impulse für den Bau der Südsiedlung. Als Mitglied des Aufsichtsrates der Siedlungsgesellschaft „Rathenower Heimstätte“, kannte er auch den Stadtrat Karl Priefert näher, der diese Bautätigkeit unterstützte. Wenn Priefert im Stadtparlament eine flammende Rede vom Stapel gelassen hatte, sprachen die Rathenower verschmitzt: „Karl der Große hat gesprochen". Kurt Woite schilderte ihn so: „Priefert war kein Kriecher. Lindner (damals Rathenows Oberbürgermeister) hasste er, weil er in ihm nur einen der aalglatten Volksparteiler sah, die seiner Meinung nach nicht wussten, was sie wollten. Auf den deutschnationalen Landrat von Bredow ließ er nichts kommen, obwohl er ihn als politischen Gegner ansehen konnte. Seinen Parteifreunden genügte es nicht, dass er nur Stadtrat war, sie hätten ihn gern als Landrat gesehen. Als ich ihn danach fragte, erhielt ich folgende Antwort: 'Nee, mein Lieber, der Mensch soll sich an das halten, was er leisten kann, dann handelt er nämlich vernünftig.' "
Er half das Rathenower Stadtbild durchaus positiv zu gestalten. Unter seinem Einfluss entstanden Bauten, die in weiser Voraussicht auf ein volles Jahrhundert vorgeplant waren. In sozialistischer Zeit rechnete man nur 30 Jahr
e voraus. Rathenow erhielt damals die avantgardistischen Wohnhäuser am Ebertring, die seinerzeit hochmoderne Jahnschule und die Pestalozzischule für geistig behinderte Kinder (neben der Jahnschule). Einen so komfortablen Bau für Hilfsschulkinder lehnte seinerzeit ein großer Teil der Bevölkerung ab.
Auch über die Flachdachhäuser, die damals einen ungewohnten Anblick boten, musste sich die Stadtverwaltung viel Gespött gefallen lassen. Priefert rührte das nicht. Er musste aber gehen, als die Nazis an die Macht kamen. Diese setzten sich selbst negative bauliche Denkmale mit Kasernen und den engherzig gestalteten Wohnhäusern der sogenannten Arado-Siedlung (Heidefeld-. Rosenbergstraße).
Bild oben: Blick in die Fontanestraße Rathenows um 1930. Die hier erkennbare Südseite der Straße wurde während der Kämpfe um die Stadt fast vollständig zerstört. Die Häuser, ganz links im Bild, beherbergten zwei bekannte Rathenower Firmen: Wäsche-Krohne im Haus Nr. 14 und daneben in Nr. 13 die Franz-Wünscher-Papierhandlung. Die beiden einzigen alten Häuser, die erhalten blieben. Nr. 5 und Nr. 6, sind im Hintergrund schwach erkennbar. Ganz im Hintergrund mündet die Forststraße in die heutige Goethestraße. Sie wurde vor ca. 110 Jahren angelegt und diente schon damals als Entlastungsstraße für die Hauptstraße der Stadt sowie als wichtige Zufahrtsstraße zum Stadtwald.
Quelle/Autor: unbekannt
Redaktionell bearbeitet am 27.11.07 von Robby Schmalz
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