An der Stremme klapperte die
Wolfsmühle ihr Arbeitslied
von Gerd Seiffert (†)
An der Stremme, nicht weit von der Stremmebrücke, lag seit Jahrhunderten eine Wassermühle, sehr romantisch und tief versteckt, man nannte sie die „Wolfsmühle". Eine genaue Angabe, wann diese Mühle erbaut wurde, ist nicht auszumachen. Seit 1525 befand sich das hiesige Schulzenamt im Besitz einer Familie Moller, deren Vorfahren hatten von 1314-1493 die Wolfsmühle in Besitzlehen, daher der Name „der Moller" von „de Mole" die Mühle. Im 30jährigen Krieg (1618-1648) ging diese Wassermühle am 8. Mai 1635 in Flammen auf, und die Bewohner wurden erschlagen. Dann war lange Jahre hindurch in Milow keine Wassermühle mehr vorhanden, damals eine sehr unangenehme Zwangslage für die Bewohner.
Im Jahre 1682 machten die Brüder Joachim und Erdmann Christoph von Treskow eine Reise ins
Vogtland zu Verwandten. Dort wurde ihnen ein Müller namens Wolf Fleischmann empfohlen, den sie nach Milow mitnahmen. Nach seinen Entwürfen ist dann die Mühle wieder aufgebaut und in Betrieb gesetzt worden. Bis zur Zeit der Stremme-Regulierung drehten sich lustig die Wasserräder. Von da ab aber blieben die Räder stehen, weil das Wasser nicht mehr gestaut werden konnte, um das nötige Gefälle zum Betrieb zu erhalten. Selbst die spätere teichartige Erweiterung des Stremmebettes am Vieritzer Berge war nicht imstande, eine entsprechende Triebkraft zu erzielen. Nach langwierigen Verhandlungen einigte sich der Domänenbesitzer mit dem Müller über eine entsprechende Abfindung. Ihm wurde auch eine Windmühle in der Nähe der so genannten Mühlenlanke aufgebaut. Diese Windmühle brannte aber 1846 ab. Fleischmann baute sich 1847 eine neue Holländer Konstruktion in der Nähe seiner Wirtschaft auf. Sie brannte später ebenfalls ab. Eine neue wurde nicht wieder aufgebaut. Unweit dieser Mühle gründete ein Unternehmer Lindemann später eine Sägemühle, die danach an eine Berliner Gesellschaft verkauft wurde und ebenfalls unter der Bezeichnung „Wolfsmühle" viele Jahre in Betrieb war. Heute befindet sich dort die Zwischengenossenschaftliche Bauorganisation.
Wie groß der Waldreichtum um Milow noch im vorigen Jahrhundert war mag dadurch bewiesen werden, das nach einer Mitteilung des Pfarrer Kumler zu Milow, der bis 1780 amtierte, in dem Eichenwald sich 15 Schock (ein Schock = 60 Stück) Schweine hätten ernähren können. Dieser Waldreichtum ist geschwunden. Auf der rechten Seite der Stremme standen reiche Laubholzwälder, die die Kolonie Neudessau völlig umschlossen. Die linke Seite war von Erlen- und Laubwald von Altenklitsche bis zu den Vieritzer Bergen eingesäumt. Nach Jerchel, Kuxwinkel und Schlagenthin hinzogen sich endlose Laubwälder, die Kulturanlagen weichen mussten. Schnöde Profitgier brachte es fertig, die uralten herrlichen Wälder rings um Schlagenthin, der Stolz und die Zierde der ganzen Gegend, in andere Hände zu bringen. Die Holzhändler Gebr. Mo… ließen während des ersten Weltkriege den uralten Waldbestand erbarmungslos abholzen.
Quelle: Märkische Volksstimme, Juli 1979
Autor: Gerhard Seiffert (†)
Foto: Archiv Havelland Kiosk
Redakionell bearbeitet am 28.11.07 von Robby Schmalz
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