Presseberichte von der 3. Böhner Geschichtswerkstatt
Enteignung auf einem Blatt Papier
Dritte Böhner Geschichtswerkstatt im LAGA- Presse- und Informationszentrum
RATHENOW (am). Die ländliche Entwicklung im Herbst 1945 und der Folgezeit wurde in Ostdeutschland durch die Bodenreform geprägt. Diese Zeit stand im Mittelpunkt der 3. Böhner
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Dr. Jens Schöne, Historiker aus Berlin, sprach den Eröffnungsbeitrag der 3. Böhner Geschichtswerkstatt zum Thema Bodenreform
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Geschichtswerkstatt im LAGA- Pressezentrum. Nachdem sich die beiden ersten Veranstaltungen mit dem Widerstand im Dritten Reich und dem Kriegsende 1945 beschäftigten, stand dieses Mal „Der schwere Neuanfang - unsere Region 1945/46" im Fokus. Das LAGA- Pressezentrum war bis auf den letzen Platz besetzt, als Bettina Götze,Geschäftsführerin des Rathenower Kulturzentrums, die Veranstaltung eröffnete. Der Wissenschaftler und Historiker Jens Schöne hielt anschließend den Einführungsvortrag, der neben dem Unrecht der Bodenreform auch die Problematik einer gewissen „Chance" thematisierte. Die politische Entscheidung zur Bodenreform fiel in Moskau, erklärte Schöne. Ihre Durchsetzung bezeichnete er als fatal mit schweren wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Enteignet wurden alle Bauernhöfe und Güter, die mehr als 100 Hektar Land besaßen. Im Landkreis Westhavelland betraf das 109 Landwirtschaften. Zu ihnen gehörte auch das Gut Böhne. Auf einem einzigen Blatt Papier hätten seine Vorfahren diese Enteignung mitgeteilt bekommen, berichtete Michael Crone. Das Gut mit 380 Hektar Land wurde unter 16 Siedlern aufgeteilt. Wenn es auch Unrecht war, so sollte man heute um des Friedens Willen nicht mehr an den Ergebnissen der Reform rütteln, meinte Crone abschließend. Mit ihrer Familie wurde Lore Richter, geborene Plath, aus der polnischen Heimat vertrieben. Die Flucht führte die Familie zu Verwandten ins Westhavelland. In Bohne erhielt sie Bodenreformland und somit die Chance für einen Neubeginn. Dagegen verlor der Vater von Siegfried Giese in Marzahne seinen 105 Hektar großen Hof. Zudem musste die Familie in einen anderen Ort ziehen, der mindestens 50 km von Marzahne entfernt lag. So zog Siegfried Giese nach Jerchel und wirtschaftete bis 1957 auf dem 62 Hektar großen Hof der Eltern seiner Frau. Dann kam auch hier die Zeit der LPG. Seit 1990 wird wieder selbstständig gewirtschaftet.
Jürgen Bleick wiederum berichtete über Besonderheiten in der Schönholzer Entwicklung. Diese war dadurch gekennzeichnet, dass sich auf dem ehemaligen Vorwerk 53 Flüchtlingsfamilien ansiedelten, von denen allein 3 aus einem Dorf in Bessarabien kamen. Jürgen Mai und Wolfram Bleis beleuchteten in ihren Beiträgen die damalige städtische Situation. So berichtet Mai, dass viele Flüchtlingsfamilien in Premnitz in Baracke: untergebracht wurden und i erbärmlichen Verhältnissen lebten.
Quelle: BRAWO vom 30. August 2006
Bild: Foto: Christian
Der schwere Neuanfang
Dritte Geschichtswerkstatt arbeitet Unrecht und Ungerechtigkeiten auf
NORBERT STEIN
RATHENOW Politische Ereignisse und persönliche Schicksale, die vor rund 60 Jahren besonders den Alltag der Menschen prägten, wurden am Freitagabend in Berichten und einer Ausstellung bei der dritten
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Der Neuanfang im Westhavelland, nachdem der Krieg 1945 zu Ende war, interessierte viele Gäste der Böhner Geschichtswerkstatt. Sie hatte zum dritten Mal die Tore geöffnet, dies- mal im Informationszentrum der Landesgartenschau Rathenow
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Böhner Geschichtswerkstatt eindrucksvoll in Erinnerung gerufen.
Nachdem sich die beiden ersten Veranstaltungen dieser Art mit dem Widerstand im Dritten Reich und dem Kriegsende 1945 beschäftigten, stand unter dem Thema "Der schwere Neuanfang" vor allem die Bodenreform im Mittelpunkt der Geschichtskonferenz. Das Presse- und Informationszentrum der Landesgartenschau war voll besetzt, als Bettina Götze; Geschäftsführerin des Rathenower Kulturzentrums, die Veranstaltung eröffnete.
Der Wissenschaftler und Historiker Jens Schöne hielt anschließend den Einführungsvortrag. Die politische Entscheidung zur Bodenreform fiel in Moskau, erklärte Schöne. Ihre Durchsetzung bezeichnete er als "fatal mit schweren wirtschaftlichen und sozialen Folgen". Mit der Bodenreform erfolgte die Enteignung aller Bauernhöfe und Güter, die über 100 Hektar Land hatten. Im Landkreis Westhavelland wurden 109 Landwirtschaften unrechtmäßig enteignet. Dazu gehörte auch das Gut Böhne. Auf einem einzigen Blatt Papier hätten seine Vorfahren diese Enteignung mitgeteilt bekommen, berichtete Michael Crone. Das Gut mit seinen 380 Hektar Land wurde an 16 Siedler aufgeteilt. "Wenn es auch Unrecht war, so sollte man heute um des Friedens und der Ruhe Willen nicht mehr an den Ergebnissen der Bodenreform rütteln", meinte Crone abschließend.
Mit ihrer Familie wurde Lore Richter, geborene Plath, aus der polnischen Heimat vertrieben. Die Flucht aus der Heimat führte die Familie ins Westhavelland. In Böhne erhielt sie Bodenreformland und somit die Chance für einen Neubeginn. Mit der Bodenreform verlor auch der Vater von Siegfried Giese in Marzahne seinen Hof. Zudem mussten Gieses in einen anderen Ort ziehen, mindestens 50 Kilometer von Marzahne entfernt. So zog die Familie nach Jerchel und wirtschaftete bis 1957 auf dem Hof der Schwiegereltern. Dann kam die Zeit der LPG. Seit 1990 wird wieder selbstständig gewirtschaftet.
Jürgen Bleick berichtete über Besonderheiten in der Entwicklung im Ort Schönholz. Hier siedelten 53 Flüchtlingsfamilien, von denen allein 34 aus einem Dorf in Bessarabien kamen.
Jürgen Mai und Wolfram Bleis beleuchteten in ihren Beiträgen die Situation in Rathenow und Premnitz. So berichtete Mai, dass viele Flüchtlingsfamilien in Premnitz in Baracken untergebracht wurden und in erbärmlichen Verhältnissen lebten.
Um etwas Nahrung zu haben wurden Ähren gesammelt und Kartoffeln gestoppelt. Viele Männer waren in Gefangenschaft oder gefallen. So mussten sich die Frauen oft allein um die Kinder kümmern. So bekam Mai auch Beifall als er sagte: "Die Mütter waren die eigentlichen Helden jener Zeit."
Anhand von Familienschicksalen berichtete Bleis über zerbombte Häuser und einen schweren Neuanfang in Rathenow.
Die 3. Geschichtswerkstatt war ein Erfolg. Das Team um Hans-Jürgen Wodtke wird sich nun daran machen, die Veranstaltungsreihe zum festen Bestandteil des Jahreskalenders werden zu lassen.
Quelle: MAZ vom 28.08.2006
Foto. Rietschel
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Bodenreform und Flucht
Heute öffnet auf dem Laga-Gelände die 3. Geschichtswerkstatt
RATHENOW ■ Heute beginnt um 18 Uhr im Informations- und Pressezentrum auf dem Gelände der
Landesgartenschau die dritte „Böhner Geschichtswerkstatt". Eigentlich sollte diese Veranstaltung, wie die beiden Vorgänger im Rathenower Ortsteil Böhne stattfinden. In diesem Jahr hat man sich aber dazu entschlossen, das Rathenower Landesgartenschaugelände zu nutzen.
Das vor allem auch deshalb, um den Besuchern - die Zahl der Interessenten stieg seit der ersten Geschichtswerkstatt beträchtlich - einen ordentlichen Gastro-Service anbieten zu können.
Nachdem bei der ersten Geschichtswerkstatt das Thema „Widerstand im Dritten Reich" und bei der zweiten Veranstaltung das Thema „Kriegsende 1945" auf dem Programm standen, geht es bei der 3. Geschichtswerkstatt um die Bodenreform in der russischen Zone, die schwierige Versorgungslage und die Situation der Flüchtlinge in der Region.
Seit einigen Monaten wurde die Geschichtswerkstatt vorbereitet. Unter dem Thema „Der schwere Neuanfang - unsere Region 1946/1947" können Interessierte Regionalgeschichte heute hautnah erleben. Zeitzeugen und Kenner der Zeit
kommen zu Wort und berichten anschaulich. Geplant sind Beiträge zur Enteignung des Böhner Gutes und der Bauernwirtschaft Giese in Marzahne sowie zur Situation der Neubauern in der Region.
Weitere Vorträge sind zur damaligen Situation der Men¬schen in Rathenow und Schönholz vorgesehen. Mit der besonders schwierigen Situation, der vielen tausend Flüchtlinge in der Region und deren Überlebenskampf, wird sich ein weiterer Bericht befassen. Für die Referate stellten sich neben anderen Jürgen Bleick aus Rhinow, Wolfram Bleis aus Rathenow und Michael Crone (Böhne) zur Verfügung.
Lore Richter aus Premnitz, Siegfried Giese aus Jerchel und Jürgen Mai aus Premnitz werden ebenfalls dabei sein.
Hans-Jürgen Wodtke, der die Veranstaltung maßgeblich mit vorbereitet, ist froh, dass es inzwischen eine sehr breite Unterstützung für die Geschichtswerkstatt gibt. Wichtig bleibe, dass die Arbeit in der Geschichtswerkstatt einen gewissen Qualitätsstandard halten muss. Der Eintritt ist frei. Wer eine Dauerkarte für die Laga hat, sollte diese nutzen. Wer keine Dauerkarte besitzt, meldet sich ab 17.30 Uhr am Haupteingang der Landesgartenschau beim Hostessen-Dienst.
Quelle: MAZ vom 25.08.2006