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Güter in Milow, Marquede und Neudessau wurden enteignet

von Gerhard Seiffert (†)

Entscheidende Veränderungen vollzogen sich in Milow nach 1945 auf dem Gebiet der Landwirtschaft. War bisher das Land zum größten Teil Eigentum von Gutsbesitzern, die das Landproletariat und ausländische Saisonkräfte ausbeuteten, veränderte sich das durch die demokratische Bodenreform, die im September 1945 von Wilhelm Pieck in Kyritz offiziell verkündet wurde. Die Verordnung der Provinzialverwaltung vom 6. September 1945 bot die rechtliche Grundlage dafür, das Land der Junker und Großgrundbesitzer, die auch noch als Kriegsverbrecher belangt werden mussten, zu enteignen und denen zu geben, die es bisher bearbeitet hatten.
In Milow wurden das Rittergut, das Gut Thiele in Marquede und das Gut Neudessau enteignet und an ehemalige Landarbeiter, landarme Bauern und an Umsiedler, die aus den heutigen polnischen Westgebieten und aus der heutigen CSSR kamen, aufgeteilt. Die drei Gutshäuscr wurden als Wohnungen für die Umsiedler genutzt. Im Ort konstituierte sich eine Kommission, die die enteigneten Ländereien gerecht verteilte. Die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe wurde gegründet und half den Neubauern bei der Überwindung der Anfangsschwierigkeiten.
Als 1952 auf der II. Parteikonferenz der SED der Beginn des Aufbaus des Sozialismus beschlossen worden war, dauerte es nicht lange, und in Neudessau bildete sich die erste landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft des Typs III. Die Genossenschaftsbauern gaben ihr den Namen „Freundschaft“. Ludwig Neidler war der erste Vorsitzende. Im Januar 1953 gründeten auch Milower Bauern eine LPG mit dem Namen „Heimaterde“. Der erste und langjährige Vorsitzende dieser Genossenschaft war Gustav Hetsch.
Leopoldsburgerstraße in MilowSchon vor Beginn der genossenschaftlichen Entwicklung unterstützte unser Staat die  Neubauern durch die Bildung von Maschinen-Ausleihstationen (MAS). Für das Milower Gebiet entstand 1950 eine MAS in Böhne. Mit Beginn der sozialistischen Umgestaltung auf dem Lande reichte ihre Kapazität aber nicht mehr aus. Es wurde eine weitere in Milow geplant. 1955 konnte als erstes das Sozialgebäude des neuen Betriebes, der nun schon Maschinen-Traktoren-Station (MTS) hieß, übergeben werden. Bis zum Wirksamwerden dieses Betriebes half die MAS Retzow in diesem Bereich bei den landwirtschaftlichen Arbeiten. Aus den drei in unserem Kreis bestehenden MTS, in Milow, Rhinow und Nennhausen, entwickelte sich 1964/65 der Kreisbetrieb für Landtechnik, der heute noch seinen Hauptsitz in Milow hat.
Aus der ehemaligen MTS ging noch ein anderer, für unseren Kreis wichtiger Betrieb hervor, die Zwischengenossenschaftliche Bauorganisation (ZBO). Dieser Betrieb entwickelte sich im Jahre 1963 aus der Baubrigade der MTS heraus. Im Ortsteil Wolfsmühle fand er die entsprechenden Räume in der ehemaligen Sargtischlerei des VEB „neuzera“, weil die Sargproduktionsabteilung des Betriebes nach Rathenow umgezogen war. Inzwischen hat auch die ZBO ihren Hauptsitz in der Kreisstadt.

Quelle: Märkische Volksstimme Oktober 1983
Autor: Gerhard Seiffert (†)
Foto: Archiv Havelland Kiosk

Redaktionell bearbeitet am 28.11.07 von Robby Schmalz

 


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