Mit der „Stillen Pauline"
unterwegs im Havelland
von Gerhard Seiffert (†)
An der Straße Rathenow-Bamme haben wir am vergangenen Sonnabend die „Stille Pauline" auf ihrer Fahrt durchs Havelland verlassen. Dort, wo heute unser neues Wohngebiet Rathenow-Ost liegt, führte
einst die Kleinbahnstrecke entlang. Auf der Fahrt nach Stechow, der ersten Station unserer Reise, sehen wir rechts und links des Bahndammes fast ausschließlich Wald. Von Stechow aus verlief die Strecke entlang der Landstraße Stechow-Ferchesar. Der Haltepunkt Ferchesar lag außerhalb des Ortes, doch fuhren viele Rathenower mit der „Stillen Pauline" im Sommer nach Ferchesar zum Kaffeekränzchen. Etwa einen Kilometer vor dem Ort bog die Bahn rechts ab, durchquerte die Feldmark, überquerte die F 188, um in Kotzen erneut zu halten. Der Schaffner war ausdrücklich angehalten, hier „Bahnhof Kotzen" auszurufen. Weiter geht die Fahrt durch die typisch märkische Landschaft, und zwar in einem Tempo, das die Geschichte vom Blumenpflücken während der Fahrt ins Gedächtnis ruft.
Bevor wir nach Kriele kommen, müssen wir den Havelländischen Hauptkanal überqueren. Während eines kurzen Aufenthaltes in Kriele ölt der Lokführer allerlei Gelenke seiner Lok, die sich bei der vorausgegangenen Fahrt ganz schön anstrengen musste. Über Haage geht die Fahrt weiter zum früheren Knotenpunkt Senzke. Hier müssen wir auf den Zug aus Paulinenaue warten, um die Fahrgäste zur Weiterfahrt nach Nauen aufzunehmen. Lokführer und Heizer spielen in dieser Zeit mit dem Ladeschaffner einen zünftigen Skat.
Zum zweiten Mal wird der Havelländische Hauptkanal überquert, und wir erreichen das Dorf Pessin. Nächste Station ist Retzow, auch hier wird rangiert, um einen Rungenwagen mit Brettern vom Sägewerk nach Nauen zu transportieren. Während des Aufenthalts ist aus dem Güterwagen Rumoren und Quiekerei zu hören. Schweine und Kühe sind hier die Fahrgäste. Endlich ruckt der Zug wieder an, die Fahrt geht weiter, führt über die F 5 nach Selbelang. Das „Empfangsgebäude“ ist das Oberteil eines ausgedienten Güterwagens. Ribbeck ist in Sicht, und dem Fahrgast kommt die alte Sage von Birnbaum auf dem Friedhof ins Gedächtnis. Wir zuckeln weiter, vorbei am Dorf Berge mit seinem kleinen Dom, entlang an leuchtendgelben Rapsfeldern und saftigen Wiesen des Havellandes, berühren Lietzow, scher in der Ferne schon den Turm der Nauener Jacobikirche und sind nach zweieinhalb Stunden Fahrt am Ziel unserer Reise angelangt.
Quelle: Märkische Volksstimme März 1980
Autor: Gerhard Seiffert (†)
Foto: Archiv Havelland Kiosk
Redaktionell bearbeitet am 28.11.07 von Robby Schmalz
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| von: | Helga |
| am: | 08.12.2007 |
| um: | 19:29:01 |  | |
| Kommentar: | Das Paulinenlied finden Sie im Rathenow-Blog vom 22.11.2007 |
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