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Man reiste mit „Albert“ oder
der „Stillen Pauline“

von Gertrud Klicks

Wer heute mit dem Bus, dem Pkw oder der Reichsbahn fährt, macht sich wohl kaum Gedanken darüber, da5 es noch vor 80 Jahren recht beschwerlich war, Orte im Kreisgebiet oder gar benachbarte Kreisstädte zu erreichen. Das war nur möglich mit einem Pferdefuhrwerk bzw. einer Kutsche oder auf Schusters Rappen. Andere Verkehrsmittel gab es noch nicht, und auch die Straßenverhältnisse waren nicht mit den heutigen zu vergleichen.
Abgesehen von den Postkutschen, die schon im 19. Jahrhundert durch die Mark Brandenburg ihren Weg nahmen, aber später den zunehmenden Reisebedarf nicht mehr abdecken konnten, gab es bald regelrechte Personenfuhrwerke. Beispielsweise konnte man von Rathenow nach Brandenburg und wieder zurück fahren. Eine Fahrt dauerte etwa knapp 5 Stunden. Die Abfahrt erfolgte vom Gasthof Schulz Rathenower Pferdeomnibusin der Großen Baustraße. In den Dörfern Bamme, Graningen usw. wurde Station gemacht. Die Hinfahrt kostete 1,50 Mark pro Person. Die Rückfahrt erfolgte erst am nächsten Tag. Es wurde auch nicht an jedem Tag gefahren. Ähnliche „Linien“, gab es nach Friesack, Schollene, Rhinow und nach Pritzerbe.
Anfang unseres Jahrhunderts stieg die Dampfschiffahrt ins Verkehrsgeschäft ein. Unsere Havel bot ja dafür die beste Möglichkeit. So gab es zum Beispiel den Dampfer „Albert", der dienstags, donnerstags und sonnabends von Rathenow nach Havelberg fuhr. Durch ihn hatten die Bewohner von 10 Dörfern, den so genannten Wasserdörfern, aber auch die aus dem Hinterland, die Möglichkeit, in die beiden Havelstädte zu gelangen. Es gab auch einen Personendampfer mit dem hochtrabenden Namen „Deutschland", der mittwochs und sonnabends nach Pritzerbe fuhr, aber erst am nächsten Tag zurückkehrte. Das war um die Jahrhundertwende. Aus einem alten Dokument ist zu ersehen, dass beide Dampfer bereits 1900 verkehrten.
Eine wesentliche Verbesserung des Nahverkehrs trat ein, als die so genannte Städtebahn von Neustadt (Dosse) bis Brandenburg am 25. März 1904 zu verkehren begann. Für den Fernverkehr war schon in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit der Eröffnung der Linie Hannover-Berlin eine wesentliche Verbesserung eingetreten. Später kam noch die Schmalspurbahn, auch „Stille Pauline" genannt, als Verkehrsader im Havelland dazu. Sie fuhr von Rathenow bis Paulinenaue über Stechow, Ferchesar, Kotzen, Kriele, Senzke durch den Kreis Westhavelland. Sie stellte 1945 den Verkehr ein.

Quelle: Märkische Volksstimme Oktober 1978
Autor: Gertrud Klicks

Redaktionell bearbeitet am 28.11.07 von Robby Schmalz

 


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