Strodehne,
ein altes Fischerdorf mit Traditionen
von Gerhard Seiffert (†)
Im 17. Jahrhundert schwammen in der Havel und ihren Nebenarmen viele Fische. Das große Garn war schon erfunden. Es diente den Strodehnern zum Fang auf den Seen, vielleicht auch auf der Havel, die ja noch heute „vor der Haustür" vorüberfließt. Die Strodehner Fischer verwendeten auch den Flock, ein Grundschleppnetz. Dabei ließen sie den Kahn quer zum Strom treiben. An Bord befestigt war das 1,40 m lange „Hüfatt", aus einem Eichenstamm gehauen und mit Löchern versehen, um die gefangene Beute lebendig zu halten. Wo Büsche am Ufer standen, fischte man von der Wasserseite aus mit dem Hamen,
der wie ein großer dreieckiger Kescher aussah.
Ob man die Lettring schon kannte, ist nicht festgestellt. Die Lettring war ein Netz aus feinem Garn, das beiderseits von großmaschigen Netzen geschützt war. Man stellte es im Halbkreis um einen verschilften Uferabschnitt auf und trieb die Fische mit einer langen Stange, die einen Strohwisch trug, hinein. Aalschnüre mag es vor 300 Jahren nicht in großer Zahl gegeben haben, Angelhaken waren selten.
Eine urtümliche Art des Fischens war das Betäuben der Fische mit der „Döwkül", einem Hammer aus Rüsterholz, etwa ein Kilogramm schwer an einem Stiel von mehr als zwei Meter Länge. Wenn klares Eis auf den überschwemmten Wiesen war, schnallten die Fischer die Schlittschuhe an, hängten die Towelkiepe um und schoben den Hammer vor sich her. Sie schlugen damit so kräftig auf das Eis, unter dem ein Fisch stand, dass dieser eine kurze Zeit betäubt war. Dann wurde schnell ein Loch geschlagen und die Beute herausgeholt. Das Eis durfte aber höchstens 8 bis 10 cm stark sein.
Fische handelte man früher schockweise (ein Schock = 60 Stück). Im Jahre 1445 musste Strodehne „fun schogk aeles" abliefern, und 1620 waren »zwey schogk stücken fische", seien Hechte, Brassen oder Ahlande als Altenteil ausgemacht. Der Ahland war ein Weißfisch, etwa 3 bis 4 Pfund schwer, der bei hohem Wasserstand im Strom zu Hause war. Ein Schock Hechte kostet um 1652 zwei Tale Für eine Kuh musste man seinerzeit 6 Taler bezahlen. Weil es immer Fisch gab, wurden auch in Jahren, die Missernten brachten, die Strodehner vor dem Hungertod bewahrt.
Zur Zeit unserer Urgroßeltern war Reis mit Fisch noch ein Hochzeitmahl. Bierfisch oder Bratfisch galten allgemein als das Sonntagsessen. Als im Jahre 1903 die Kirche ein neues Kirchenschiff bekommen hatte, fragte der Pastor Bree, ein Strodehner Original, den „Decker“ Balzer, wie ihm die neue Kirche gefiele. „Ach, Herr Paste de Kerk is ja so lang, wann da de letzten rutkomen, spucken die ersten all de Grojn (Gräten) unnern Disch“, lautete die Antwort. Auf jedem Hof des Dorfes befand sich eine Fischereigerechtsame. Sie beschränkte sich auf die halbe Dosse und die Havel mit ihren Nebenarmen. Der heutige Gülper See lag außerhalb der Fischereigrenze.
Quelle: Märkische Volksstimme Februar 1979
Autor: Gerhard Seiffert (†)
Foto: Archiv Havelland Kiosk
Redaktionell bearbeitet am 28.11.07 von Robby Schmalz
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