Strodehner Geschichten
zum Schmunzeln und Lachen
von Gerhard Seiffert
Nachdem man in Rhinow um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein Postamt eingerichtet hatte, bekam das Dorf Strodehne regelmäßig seine Post zugestellt. Ein gewisser Diedrich brachte zweimal in der Woche mit einem Hundegespann die Briefe und Zeitungen von Rhinow und nahm Post mit. Seit dem Jahre 1885 verkehrte eine Postkutsche, die täglich einmal fuhr, später auch zweimal. Die Postnebenstelle in
Strodehne hatte Ewald Plaue, kurz Post-Plaue genannt, übernommen. Die wenigen Zeitungen, die gelesen wurden, konnte der Briefträger in seiner Tasche unterbringen. Im Sommer hatte sowieso keiner Zeit zum Lesen, und die Geschichten, die nicht in der Zeitung standen, waren viel interessanter. Keiner konnte sie spannender erzählen als der Gastwirt Fritz Schatz vom „Schwarzen Adler". Da war er einmal im Abenddämmern auf der Rebhühnerjagd über die Eichholzweiden gegangen. Ihm sträubten sich fast die Haare, als er eine hohle Geisterstimme vernahm, obwohl weit und breit niemand zu sehen war. Ganz deutlich hörte er es: „De Herrgott lött mi hier vorhungern, un Frau und Kinner müdden umkommen huhu!" Und dann betete einer laut: „Lieber Gott, erlöse mich aus diesem Brunnen, Amen." Jetzt war alles klar, die Stimme kam aus dem Putten von Otto Friesike. Der Jäger Schatz sah in den Putten hinein, in dem kaum noch Wasser war, aber im Eimer unten hockte eine Jammergestalt, der Schneider Stranz. „Du müßt mei hier ruthoalen, du bist mien Erlöser!", jammerte er, „Wo kömmst du dann hier rin?", fragte Schatz. „Ick hebb Runkeln afputzt und woll mi de Hänn waschen, de Emmer ging so swor, da hebb ick mit'n Fut up pedt, un da kreg ick det Aewergewicht, un dunn ging't dolwarts." Der Kröger (Gastwirt Schatz)
konnte ihn vor Lachen kaum höre: aber er zog ihn glücklich an Land.
Es gab auch Einwohner in Strodehne die ausgesprochen reiselustig waren. Fritzing Schulz war so ein Zeitgenosse, sein Vater war Schuhmacher und besaß das Haus auf dem Seitenbeutel. Wenn Fritzing sich morgens im Pferdeeimer wusch, behielt er die Mütze auf. Als er zu den Soldaten sollte, sagte Mariechen Müller: „Allwil hett he noch Haecksel inne Uhren, se werden em da bie de Preußens noch rutpölken." Und so kam es dann auch. Er wurde geschrubbt und geschunden, aber dann gab man es auf, einen Soldaten aus ihn zu machen, und schickte ihn wieder nach Hause. Keiner war glücklicher als er, und in jedem Frühjahr sang er Wanderlieder, bis er sich auf den Weg machte, soweit ihn die Füße trugen, bis zum Rhein, zum Bodensee und nach Böhmen. Über Winter verdiente sich Fritzing beim Buschhauen und Dreschen etwas, aber schwere Arbeit lag ihm nicht. Dann blieb er lieber auf seiner Stube und flocht Körbe. Der Fußboden in seiner Stube war mit Späne bedeckt, zwischen denen es einige Trampelpfade zur Lagerstatt und zur Ofen gab. 1936 starb Fritzing und hinterließ einige tausend Mark.
Quelle: Märkische Volksstimme Februar 1979
Autor: Gerhard Seiffert (†)
Foto: Archiv Havelland Kiosk
Redaktionell bearbeitet am 28.11.07 von Robby Schmalz
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| Kommentar: | 2 |
| von: | Erwin Paproth |
| am: | 11.10.2011 |
| um: | 08:50:23 |  | |
| Kommentar: | Hallo, ich bin 1938 in Strohdene geboren worden. Wir sind 1945 im Winter vor den Russen geflüchtet. Doch Ereignisse meiner Kindzeit im schönen Dorf weiss ich heute noch. War nach 49 Jahren nochmal da. Ich war erstaunt, dass Alles noch so war wie früher. Im kommenden Winter werde ich Geschichten schreiben. |
| Kommentar: | 1 |
| von: | Günter E. Neumann |
| am: | 21.01.2011 |
| um: | 21:51:00 |  | |
| Kommentar: | Ich bin 1943 in Strodehne geboren und bin auf der Suche nach weiteren frühgeschichtlichen Ereignissen meiner Vorfahren. Ich habe auch einige dieser Geschichten schon zusammen von der Generation vor mir.
Wir sollten in Kontakt kommen. Vielleicht haben Sie noch mehr Informationen in Ihrem Archiv.
Gruß G.E.Neumann |
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