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Werner Bader hat Wilhelm Pieck und Papst Johannes Paul die Hand geschüttelt. Er war Stuka-Pilot und Chef des deutschsprachigen Programms der Deutschen Welle. Popularisierte die "Märkische Heide" und lebt heute in Görne im Havelland.

Das Fern- und Heimweh ist gestillt

von Erik Nagel

Er hat Wilhelm Pieck ebenso die Hand geschüttelt wie Papst Johannes Paul. Vom Volksaufstand 1953 in der DDR berichtete er als einer der ersten, später sorgte er dafür, dass die heimliche Brandenburg-Hymne "Märkische Heide" in aller Welt bekannt und ihr Verfasser nicht vergessen wurde.
Werner Bader 2005Als Chef des Deutschen Programms der Deutschen Welle bereiste er die ganze Welt. Und heute lebt Werner Bader in Görne?

"Ich wurde in Haidemühl bei Spremberg geboren, meine Frau stammt aus Dickte. Als wir nach der Wende wieder nach Brandenburg zurückwollten, haben wir hier das günstigere Grundstück bekommen", erklärt Bader diese Ortswahl. So einfach ist das - oder?

Journalist war immer der Traumberuf des 1922 Geborenen gewesen. Abgesehen von der Zeit, in der alle Jungen Lokomotivführer werden wollten, gab es für Bader nichts anderes: "Ich wollte Zeitungsmann werden. Das Wort Journalist kannte ich damals nicht einmal." Die Nachbarsmutter fragte den damals 12-Jährigen entgeistert: "Kann man davon leben?" Darüber hatte sich der Junge keine Gedanken gemacht. 
 Mit einem Kunstdruckkasten fertigte er kleine "Zeitungen" selbst an und träumte von der Zeit als Journalist.

Doch zunächst kam der Krieg
Den Bader aus der Luft erlebte. Das kam eher zufällig: Weil an seinem Internat in Drossen das Segelfliegen sogar Schulfach war, machte sich der Pennäler Bader daran, die Grundbegriffe der Aeronautik zu erlernen: "1938 begann ich mit dem Segelfliegen - in Stölln, auf Lilienthals Flugplatz!" Heute noch hat er Verbindungen zu den Fliegern der Gemeinde, besucht ihre Stammtische und Veranstaltungen.

Dass sein Fliegen ihn einmal in Bomberflugzeuge bringen würde, damit hatte Bader zunächst nicht gerechnet: "Ich fand das Fliegen einfach raffiniert." Als der Krieg aus ausbrach, wurde Bader Sturzkampfbomberpilot. Drei Mal stürzte er ab, doch er überlebte jedes Mal.

Als für die Bomber kein Benzin mehr da war, kam Bader auf eine Messerschmitt - und als auch die am Boden bleiben musste, wurde seine Einheit Richtung Pilsen zu den Bodentruppen verlegt: "Ich blieb zurück, um alle Flugzeuge zu sprengen, und sollte ihnen dann hinterher fliegen", erinnert er sich. Witzigerweise war es eine ARADO-Maschine, die Bader damals bestieg: "Ich sage immer, sie wurde in Rathenow gebaut. Beweisen kann es ja sowieso keiner."

Dann war der Krieg vorbei
und Bader konnte sich endlich auf die geliebte Journalistik stürzen. In Berlin studierte er Geschichte, Zeitungswissenschaft und Slawistik, fast zeitgleich begann er, als freier Mitarbeiter für den Berliner Kurier zu arbeiten:

Werner Bader mit regionalgeschichtlich Interessierten
Dr. Peter Seeger, Werner Bader(mi) Günter Thonke (re) anläßlich der Startveranstaltung des Havelland-Kiosk 2005
"Einer meiner ersten Aufträge war die Berichterstattung über die Gründung der SED." Noch lebhaft erinnert er sich an die Regie dieser Veranstaltung - und daran, dass er als Vertreter des Westberliner Kurier scheel angeblickt wurde.

Spannende Zeiten waren das damals in der Berliner Zeitungslandschaft: Wie manch anderer seiner Kollegen besorgte sich Bader heimlich eine Pistole, um für den Notfall gewappnet zu sein. Aber auch andere Grundkenntnisse bekam der Jung-Journalist eingebläut: "Ganz früh habe ich die Grundregel gelernt: Kinder und kleine Hunde gehen immer", lacht er.
 
Später, als er als Klassenfeind galt, konnte Bader bei Besuchen in der DDR die SED-Funktionäre, auf die er traf, mit Geschichten verblüffen, wie er Walter Ulbricht die Hand schüttelte oder in Otto Grotewohls Vorzimmer ein- und ausging.

Seine Arbeit brachte Werner Bader schnell voran.
1948 leitete er das Berliner Nachrichtenbüro des "Spiegel", 1949 wurde er Redakteur bei der "Neuen Zeitung" und wechselte 1953 zum Rundfunk. Erst 1958 verließ er Berlin und damit auch die geliebte Märkische Heimat und zog nach Köln, wo er beim deutschen Auslandssender Deutsche Welle seine Tätigkeit begann: 
 
"Ich hatte das Glück, dass ich mich nicht bewerben musste, sondern vom Chef geholt wurde." Dreißig Jahre lang blieb Bader bei der Deutschen Welle, zwanzig davon leitete er das "Deutsche Programm"."Millionen Deutsche leben auf allen Kontinenten in aller Welt", erklärt Bader die "Deutsche Welle" und ihre Aufgabe: "Für sie haben wir Radio gemacht." Und das bei weitem nicht nur auf Deutsch.

In 34 Sprachen wurde gesendet und Bader überraschte seine Mitarbeiter schon bald mit einer seltsamen Mischung aus Nachrichten: "Wir haben auch über relativ unwichtige Sachen berichtet, Hochwasser oder außergewöhnlicher Schneefall in den Alpen. Aber das war ja das, was die Deutschen im Ausland erfahren wollten:

Was in ihrer alten Heimat passierte", erklärt er und bemüht ein altes Sprichwort aus dem Zeitungswesen: "Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler."Dieses Wissen um die Interessen der Deutschstämmigen holte sich Bader bei unzähligen Reisen in alle Welt.
 
Alle Kontinente hat er besucht
In vielen Ländern war er mehrmals: "Ich musste dahin reisen. Ich wollte wissen: Wie leben die? Welches Programm muss man für sie machen?" Das Ergebnis war ein Programm, das unter einem Fernweh erzeugendem Slogan stand: "Ein Programm rund um die Uhr und rund um die Welt, über fünf Kontinente und sieben Meere".
 
Über allem thronte Bader und hielt die Fäden zusammen: "Musste ich ja auch, weil ich ja für alles zuständig war." Die Namen derer, die Bader dabei traf, sind inzwischen Legion, was heutzutage manchmal für ein paar Irritationen sorgt: "Ich muss mir abgewöhnen, immer zu sagen: ?Zarah Leander? Kenne ich!' oder so. Das klingt so angeberisch, auch wenn es wahr ist."

Die Märkische Heimat hat Werner Bader, der sieben Mal in Rio de Janeiro auf dem Zuckerhut stand, durch Neuseeland reiste und den Tafelberg in Südafrika bestieg, nie vergessen. 1985 wurde er Bundessprecher der Landsmannschaft Berlin-Mark Brandenburg und Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Brandenburg.
 
Bücher und Publikationen beschäftigen sich mit Brandenburg, zum Beispiel mit Gustav Büchsenschütz, dessen Lied "Märkische Heide" von Bader zum Inhalt eines Buches gemacht wurde.

Als die Mauer fiel,
da konnte Bader endlich in diese Heimat zurück.
In Görne lebt er heute, ist 85 Jahre - und rastlos wie eh und jeh. Nach wie vor schreibt er Bücher und wirbt überall für die Mark. Seinem Betreiben ist es zu verdanken, dass Minister und andere staatstragende Persönlichkeiten den Weg nach Görne und in seinen Grafenstall gefunden haben: "Ansonsten würden die gar nicht wissen, wo das liegt."

Dennis Dahm und Werner Bader
Webmaster Dennis Dahm(li) im Gespräch mit Werner Bader anläßlich der Startveranstaltung des Havelland-Kiosk 2005
Und ständig sucht er neue Aufgaben. Ehrenamtlich berät er seit neuestem die Schloss Ribbeck GmbH in Presse- und Medienfragen.
Das Alter ist dabei kein Hindernis: "Ich habe zwei Regeln. Erstens: Man muss sein Alter annehmen. Zweitens: Man braucht eine Aufgabe, keine Beschäftigung", sagt er.
 
Diese Aufgaben sucht er sich mit märkischer Sturheit: "Ich muss noch Bücher verfassen", hat er sich vorgenommen.

Werner Bader hat die ganze Welt gesehen. Er hat Staatsmännern und Prominenten die Hand geschüttelt, sein Programm wurde rund um den Globus gehört. Heute ist er in dem kleinen Örtchen Görne zu Hause: "Mein Fernweh ist gestillt, mein Heimweh jetzt auch", sagt er. Egal wo er war - er hat sich immer als Märker gesehen.

Ein gerade erst fertig gewordenes Essay trägt daher den passenden Titel: "Angekommen".

Quelle: Brawo, 23.12.2007
Fotos: E. Nagel + wodtke-media


  Kommentare

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Kommentar:4
von:Hermann Rehmeyer
am:18.01.2011
um:01:41:58
Kommentar:Oft habe ich an Herrn Bader vom deutschen Programm der DW in Koeln denken muessen. Herr Bader war mir durch seine Stadtbummel-Sendungen und meine Besuche im Funkhaus in Koeln sehr bekannt. Seine Stimme war auch ueber die Kurzwelle nicht zu verkennen. Die DW war mir in all den Jahren seit 1955 ein staendiger Begleiter und ein Link zur deutschen Heimat.
Heute empfange ich DW-TV taeglich hier im Silicon Valley, Californien oder ueber das Internet.
Wie ich lese, bleibt Herr Bader immer noch aktive. Es freut mich Herrn Bader wieder gefunden zu haben.
Alles Gute fuer Sie Herr Bader.
Hermann Rehmeyer

Kommentar:3
von:Janine Charles
am:01.12.2010
um:13:08:58
Kommentar:Ja, die liebe Edith hat natürlich recht. An diese positiven Eigenschaften erinnere ich mich auch gerne. Nach so langer Zeit verklärt sich aber auch manches. Nachdem Herr Bader in den Ruhestand ging - er war mein Chef von 1979 bis zu seiner Pensionierung, auch in Zusammenarbeit mit Edith - gab es in der DW ein Aufatmen. Über Jahre hinweg wurde Herr Bader einfach ignoriert, obwohl er doch für das Haus sehr viel bewirkt hat. Gelernt habe ich sehr viel bei ihm, ich war ja ein junger Mensch. Heute würde ich mir sicher so einiges nicht mehr gefallen lassen. Andererseits habe ich so manches Mal gedacht "unter Bader wäre das anders gelaufen". Wie auch immer, alles hat seine Zeit.

Kommentar:2
von:Edith von Goscinski-Prinz
am:11.10.2009
um:11:27:48
Kommentar:Ich war von 1965 bis 1986 bei der Deutschen Welle in Köln tätig, davon 16 Jahre unter Werner Bader als Chef. Er war hart zu sich und anderen aber man lernte viel und eins muss man ihm hoch anrechnen: Wenn einer seiner Untergebenen in der Redaktion Mist verbockt hatte, was bei Uneinsichtigkeit manchmal seine lautstarke Kritik hervorrufen konnte - gegenüber Außenstehenden stellte er sich vor seine Leue und verteidigte sie wie ein Familienvater obwohl (oder weil?) er selbst keine Kinder hatte.

Kommentar:1
von:carl d. goerdeler
am:10.01.2009
um:23:45:11
Kommentar:den werner bader kenne ich - siebenmal war er auf dem zuckerhut: und der steht vor meiner nase seit 25 jahren.
bitte herzliche grüsse an den havelländer, den ich die ehre hatte, vor 40 jahren kennenzulernen, wo er sich aktiv um die interessen der journalisten kümmerte, zu denen ich nun schon lange gehöre. viel glück - wünscht aus rio
carl d. goerdeler

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