Geschichte und Geschichten vereint
Der Siebenjährige Krieg und der Spremberger Räuberhauptmann Lauermann auf der Geschichtskonferenz
RATHENOW (mko). Am Sonnabend war im großen Saal der Rathenower Gaststätte „Zum Alten Hafen" schon lange vor dem offiziellen Beginn der 5. Geschichtskonferenz reichlich Betrieb, denn die Teilnehmer, die sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen wollten, suchten beizeiten das Gespräch mit Gleichgesinnten und informierten sich über die Auslagen und Angebote zur Historie.
Gert Soechting hatte einige Uniformen und Ausrüstungsgegenstände zur Ausgestaltung des Raumes zur Verfügung gestellt. Pünktlich um 10 Uhr eröffnete Bernd Günther, Geschäftsführender Vorsitzender des Geschichtsvereins Havelland e.V., die Tagung, zu der rund 25 Teilnehmer angereist waren. Wie
schon in vergangenen Jahren hatten die Organisatoren wieder Dr. Frank Bauer für ein Referat gewinnen können. Der Militärhistoriker und Buchautor gilt in Fachkreisen als ausgewiesener Experte der Befreiungskriege, was er mit seinem umfangreichen Beitrag den Gästen der Geschichtskonferenz eindrucksvoll unter Beweis stellte. Bauer hatte einst Germanistik und Geschichte studiert und sich später auf die Militärgeschichte spezialisiert. Nach seiner Promotion arbeitete er lange Jahre in der Forschung und publizierte zahlreiche Bücher und Sammelbände, war als Lektor für den ältesten Militärverlag (Mittler & Sohn) als Lektor tätig, bis er sich vor 10 Jahren selbstständig machte.
Bauers Thema auf der Geschichtskonferenz waren die Schlesischen Kriege - hier speziell der Siebenjährige Krieg. Dem Referenten waren für seinen Vortrag knapp zwei Stunden Zeit eingeräumt worden, doch wegen der Fülle des vorbereiteten Materials kam Bauer nicht umhin, einige Abschnitte seines Vortrages zu kürzen, was jedoch dem Verständnis keinen Abbruch tat. Schließlich waren auch die meisten Gäste der Konferenz geschichtlich hinreichend bewandert, da sie sich fast tagtäglich mit historischen Daten und Fakten in ihrer Freizeit beschäftigen. In der ihm eingeräumten Zeit ging Bauer dezidiert auf die politische Lage vor und während der Kriegshandlungen, die Stärken und Aufstellungen der beteiligten Armeen und auf die immer prekärer werdende Lage der Kriegsparteien ein, so dass die Zuhörer einen umfassenden Eindruck erhielten. Der Historiker erinnerte u. a. an die seit Ende 1756 einsetzende Münzverschlechterung, denn Friedrich hatte befohlen, dass statt 14 Taler auf die feine Mark Silber 19,75 Taler ausgeprägt und für die feine Mark Gold statt 38,66 nur 54,50 hergestellt werden sollten, um die Kriegskasse zu füllen.
Bauers Fazit: „Der Siebenjährige Krieg starb an einer allgemeinen Erschöpfung aller Krieg führenden Parteien." Wie alle Kriege hatte auch der Siebenjährige Krieg viel Leid über die Bevölkerung gebracht und die Wirtschaft der beteiligten Staaten geschwächt, obgleich England und Preußen politisch einigermaßen gestärkt aus den Kampfhandlungen hervorgingen.
Nach einer Mittagspause wurde ausführlich über Bauers Referat diskutiert.
Anschließend dankte der Geschäftsführende Vorsitzende Bernd Günther Barbara und Marcus Rothkopf für ihre unermüdliche Tätigkeit mit einem Exemplar der Zusammenstellung. Das Verdienst von Mutter und Sohn besteht darin, dass sie während ihrer MAE-Maßnahme vom 17.7.-31.12.2006 für den Verein wertvolle Archivarbeit leisteten und in dieser Zeit das „Kreisblatt für das Westhavelland" vom Juli 1885 bis zum Dezember 1886 auswerteten und die Daten aufbereiteten.
Die Verdienstmedaille des Vereins erhielten Margit und Bernd Reitzenstein für ihre langjährige Mitarbeit.
Werner Bader, Vorsitzender des Kulturfördervereins Mark Brandenburg e.V., bestritt den letzten Tagesordnungspunkt der Konferenz - die traditionelle Lesung. Der Autor stellte sein Buch „Der Teufelsaktuar von Spremberg - Die Abenteuer und Liebe des legendären Räuberhauptmanns Lauermann" vor. Bader stellte die Frage, ob denn Heinrich Oswald Lauermann, einer der bedeutendsten Brandenburger Räuber, überhaupt gelebt habe, denn Nachweise für seine Geburt (unter diesem Namen) seien nicht entdeckt worden. Jedenfalls feierte dieser 1937 auf dem Spremberger Markt erstmalig seine „Auferstehung" und ist seitdem nicht mehr von den Festen der Region wegzudenken.
Bader hat sich in seinem Buch ausführlich mit der Geschichte des Räuberhauptmannes befasst, weil er sie so faszinierend fand. Er ging auf Spurensuche und hat aus allem, was irgendwie und irgendwann ans Tageslicht kam, ein Buch „gemacht". Es gibt kein Archiv, kein Museum in der Niederlausitz, was Bader nicht angeschrieben hat, um die Geschichte des „teuflischen" Stadtschreibers („Aktuar") zu Papier zu bringen.
Stolz verwies Bader auch darauf, dass es ihm gelungen war, die komplette Sammlung der von Falk'schen Groschenhefte, derer es 100 Ausgaben gegeben hat, die zwischen 1905 und 1908 gedruckt wurden und verloren schienen, doch noch zu ergattern. „Die Legende wird weiterleben - zur Freude der Spremberger", ist Bader überzeugt.
Viele Opfer und leere Staatskassen
Konferenz zum Siebenjährigen Krieg am 13.01.2007
KERSTIN BLASEK
RATHENOW. Blicke auf das Kriegsgeschehen vor gut 250 Jahren hat der Geschichtsverein Havelland am Samstag auf seiner 5. Geschichtskonferenz geworfen. Sie stand im Zeichen des Themas „250 Jahre Siebenjähriger Krieg".
Vereinschef Bernd Günther begrüßte die Heimatforscher und Hobbyhistoriker in der Gaststätte „Zum alten Hafen".
Über den Siebenjährigen Krieg referierte der Potsdamer Militärhistoriker Frank Bauer. „Eigentlich sind es ja schon 251 Jahre, da der Krieg 1756 begann", erklärte Bauer zu Beginn. „Aber gerade im zweiten Kriegsjahr, das sich nun zum 250. Mal jährt, fanden wichtige und bedeutende Schlachten statt."
Im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 standen sich Preußen unter Führung von König Friedrich II. und England auf der einen Seite sowie die Mächte Frankreich, Russland und Österreich auf der anderen Seite feindselig gegenüber. Aber auch viele kleinere und mittlere Staaten waren beteiligt.
Detailliert ging Bauer zunächst auf die Situation am Vorabend des Krieges ein, um dann die einzelnen Kriegsjahre und ihre wichtigsten Ergebnisse zu skizzieren. Große Kämpfe wurden im Verlaufe des Krieges ausgetragen: So siegten Friedrichs Truppen im Mai 1757 in der Schlacht bei Prag über die Österreicher. Sie mussten jedoch auch herbe Niederlagen einstecken - so beispielsweise im August 1759 in der Schlacht bei Kunersdorf.
Der Friede von Hubertusburg beendete schließlich am 15. Februar 1763 die Kampfhandlungen zwischen Preußen und seinen Gegnern. Hohe Verluste waren zu beklagen: Etwa 550 000 Soldaten ließen auf den Schlachtfeldern ihr Leben, die Zahl der zivilen Opfer dürfte weitaus höher liegen. Auch hatte der Krieg riesige Löcher in die Staatskassen gerissen.
Werner Bader, Vorsitzender des Kulturfördervereins Mark Brandenburg, brachte Kostproben aus seinem Buch „Der Teufelssanktuar von Spremberg" über die Abenteuer und die Liebe des Räuberhauptmanns Lauermann zu Gehör.
Am Nachmittag bot sich den Anwesenden zudem die Gelegenheit, sich mit Fragen oder eigenen Beiträgen an der Diskussion zu beteiligen. Passend zum Thema hatte Vereinsmitglied Gerd Soechting einige Exponate ausgestellt. Die Gäste konnten Broschüren und Bücher - nicht nur zum Siebenjährigen Krieg - erwerben.
Vereinschef Günther zeichnete mehrere Mitglieder zudem für besondere Verdienste aus.
Die Premnitzer Barbara und Marcus Rothkopf wurden für ihre Arbeit geehrt, die sie im Stadtarchiv Friesack leisteten. Beide werteten dort die Ausgaben von 1885 und 1886 der Zeitung „Kreisblatt Westhavelland" aus. Margit und Bernd Reitzenstein bekamen für ihre filmische Aufarbeitung der Zusammenkünfte des Dreispitz, einer Vereinigung der Darsteller des 18. Jahrhunderts, die Verdienstmedaille des Geschichtsvereins.
Quelle. MAZ vom 15.01.2007